loading...

Montag, 16. Januar 2017

Immer mehr Priester wenden sich von Papst Franziskus ab

El Loco oder El Diablo?

Nachdem er erst als angstloser Reformer eingeordnet wurde, werden inzwischen immer mehr Fragen gestellt über seine Urteilskraft. Von Damian Thompson für www.Spectator.co.uk, 14. Januar 2017

Am 2. Januar veröffentlichte der Vatikan einen Brief von Papst Franziskus, der an die Weltbischöfe gerichtet war und in dem er sie daran erinnerte, dass sie gegenüber Kindesmissbrauch "Null Toleranz" zeigen müssen. Am nächsten Tag veröffentlichte das Magazin American Week einen Artikel, in dem es um die Geschichte von "Don Mercedes" ging - dem italienischen Priester Mauro Inzoli, der eine Vorliebe für teure Autos und minderjährige Jungen hegt.

Im Jahr 2012 entzog Papst Benedict Inzolis priesterliche Aufgaben und enthob ihn effektiv seiner Weihen. Im Jahr 2014 allerdings wurde er wieder eingesetzt - von Papst Franziskus, der ihm mit auf den Weg gab, dass er sich gefälligst von Kindern fernhalten soll.

Schlisslich wurden die italiensichen Behörden auf diesen Seriengrabscher von Jugendlichen im Beichtstuhl aufmerksam. Im letzten Sommer wurde Inzoli wegen pädophiler Vergehen zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Der unter der Fuchtel von Null-Toleranz-Franziskus stehende Vatikan weigerte sich dabei, den Staatsanwälten die geforderten Beweise zu liefern.

Hätte Papst Benedict XVI. bei einem klerikalen Kinderschänder eine solche heuchlerlische Einstellung an den Tag gelegt, dann wäre ihm die Decke auf den Kopf geallen: Anstatt zurücktreten zu können hätte man ihm aus dem Amt gejagt.

Die meisten Medien der Welt aber haben Franziskus als einen angstlosen Reformer eingeordnet, der gegen die vatikanische Mafia, Päderasten und "Fundamentalisten" vorgeht. Diese Annahme half den Verbündeten des Papstes, den Namen Mauro Inzoli zumindest bis letzte Woche aus den englischsprachigen Nachrichten herauszuhalten.

Diese Annahme aber könnte sich im Jahr 2017 ändern. Über zwei Jahre lang sind sich führende Katholiken gegenseitig an den Hals gefallen wegen eines Planes - der vom Papst heimlich unterstützt wird - nach dem es gschiedenen und dann wiederverheirateten Kirchenbesuchern ermöglicht werden soll, die Kommunion zu erlangen. Verständlicherweise haben die sekulären Medien das Thema als eine interne Angelegenheit behandelt und weitgehend ignoriert. Es ist eben schwer, aus einer selbst für Theologen nur schwer verständlichen Angelegenheit Schlagzeilen zu produzieren.

Ende letzten Jahres aber begann sich der Kommunionsstreit mit anderen Debatten zu überschneiden, die allesamt nicht nur Fragen zur Urteilskraft des Papstes aufwarfen, sondern auch zu seinem Geisteszustand.

Ein Mann der bei seinem Amtsantritt liebenswert informell wirkte - er bezahlte seine Hotelrechnungen selbst, weigerte sich, im apostolischen Palast zu leben, machte überraschende Telefonanrufe bei Persönlichkeiten der Öffentlichkeit - wurde mittlerweile zu einer weit weniger sympathischen Figur.

Er hat nämlich mit einer weitaus bedeutenderen Tradition gebrochen, als in der päpstlichen Wohnung zu leben, oder mit einer Limousine zu reisen. Er brach mit der Konvention, dass ein Papst, wenn er erst einmal gewählt ist, damit aufhört, sich an den hässlichen politischen Spielchen der Kurie zu beteiligen.

Papst Benedict respektierte diese Konvention. Liberale, die Angst hatten, dass der "Rottweiler" womöglich alte Feindschaften ausgraben würde konnten mit Entzücken - und Erleichterung - beobachten, wie er sich quasi in einen Eremiten verwandelte. Das hat letztlich zum Chaos der Fraktionen geführt, was ihn dann zu seinem Rücktritt bewog - allerdings war Benedict bis zu seinem Ende stets "der Heilige Vater".

Dieser Titel verchwand seit Fanziskus fast völlig aus dem Vokabular, zumindest bei Alltagsgesprächen. Und wenn man es doch mal hört, dann schwingt stets ein Hauch Sarkasmus mit. Beispielsweise:

"Wie der Heilige Vater so weise sagte, haben wir alle die natürliche Neigung, Scheisse zu fressen."

Der fragliche Priester, der das so sagte ist kein Freund von Franziskus. Tatsache aber ist, dass der Papst es genau so sagte - und zwar in aller Öffentlichkeit. Letzten Monat rief er die Medien dazu auf, mit dem Verbreiten von Falschnachrichten aufzuhören, weil "die Leute dazu neigen, die Krankheit Koprophagie zu entwickeln". Was sich übersetzen lässt mit Exkremente essen.

Warum hat er das gesagt? Der traditionalistische Blog Rorate Caeli vermutete, dass "das Alter oder ein zugrunde liegendes medizinisches Problem" verantwortlich sei für seine "unentwegte Wut, Hass, Beschimpfungen, den Gebrauch ungehobelter Worte (was im privaten Rahmen als immer häufiger vorkommend bekannt ist)".

Wieder hat da ein Gegner gesprochen. Es gibt keinen Beweis,dass der Papst geistig nicht gesund ist. Allerdings werden zahlreiche vatikanische Angestellte bestätigen, dass er Wutausbrüche hat, unfreundlich gegenüber Untergebenen ist und vulgär spricht.

Er kann aber auch genial, witzig und leidenschaftlich sein. Aber diese Seite seiner Persönlichkeit zeigt er immer öfters nur noch seinem inneren Zirkel und seinen Verbündeten.

Alle Päpste haben innere Zirkel, das ist keine Frage. Was Franziskus aber von seinen in der näheren Vergangenheit liegenden Vorgängern unterscheidet ist die Art der Allianzen, die er schmiedet. Er ist weitaus brutaler bei seiner Machtausübung, als beispielsweise Papst Johannes Paul II., der sicherlich einen gewisse autoritäre Ader hatte.

Ein Priester der Kurie sagt:

"Bergoglio spaltet die Kirche in all jene, die für ihn sind und all jene, die gegen ihn sind - und wenn er denkt, dass man zu letzterem Lager gehört, dann hat man ein Problem."

Man beachte: "Bergiglio" - er nennt ihn nicht einmal "Franziskus". Es sagt eigentlich alles, dass der Priester einmal ein vehementer Befürworter einiger der päpstlichen administrativen Reformen war und nicht nostalgisch auf die Herrschaft von Benedict zurückblickt, den er beschuldigt, seine päpstlichen Pflichten vernachlässigt zu haben.

Aber wie so viele Angestellte des Vatikan hat er es satt, dass Franziskus der ganzen römischen Kurie dauernd mitteilt, dass sie morderne Pharisäer sind - eine Analogie, in der sich der argentinische Pontifex in der Rolle von Jesus befindet.

Ganz offenbar hält Franziskus das Auflockern der Regeln bezüglich der Kommunion von Katholiken in irregulären Ehen für einen Akt der christlichen Nächstenliebe. Das ist auch die Ansicht der erstaunlich linken Kardinäle, die dabei halfen, ihn ins Amt zu bringen. Es wird oftmals gesagt, dass er deren Agenda durchsetzt - und es ist durchaus wahr, dass sich Franziskus den progressiven Forderungen nach Frauen als Diakonen und verheirateten Priestern verpflichtet fühlt.

Allerdings ist er nicht deren Instrument. Ein Vatikanbeobachter, der über viele Jahre eine wichtige Position in Rom hatte sagt dazu:

"Er hat sich weniger den alten progessiven Mantel übergezogen, sondern sich eher seinen eigenen Personenkult geschaffen."

Theologische Details langweilen ihn. Persönliche Loyalitäten bedeuten ihm alles:

".. und hätten die Kardinäle, die ihn wählten ihre Hausaufgaben gemacht, dann hätten sie bemerkt, was für eine außerordentlich spaltende Figur er unter den argentinischen Jesuiten war."

Es ist nicht schwer, den lateinamerikanischen Drall zu bemerken, den er im letzten Jahr beim Abmachungen treffen und Rechnungen begleichen an den Tag legte. Die meisten katholischen Bischöfe dachten, Franziskus sei jemand, der frei von der Leber spricht und vielleicht ein berührend naiver Reformer wird. Stattdessen haben sie es nun mit einem Papst zu tun, der gleichzeitig angriffslustig, charmant, schlecht gelaunt, idealistisch und rachelustig ist.

An wen erinnert diese Kombination nur? Die Trump-Franziskus Analogie macht schon seit Monaten die Runde in Rom und das nicht nur bei den Gegnern des Papstes. Eine gut platzierte Quelle meint:

"Es ist nicht völlig ernst gemeint.

Niemand hält Jorge Bergoglio für getrieben von den selben Fleischessünden wie Donald Trump.

Und es gibt noch einen anderen Unterschied. Die Amerikaner können ihren Besen nach vier Jahren austauschen. Franziskus dagegen muss sich keiner Wiederwahl durch das Konklave stellen. Was - und das können Sie mir glauben - ein Glück für ihn ist, da er nach dem Elend und dem Blödsinn der letzten paar Jahre schon in der ersten Wahlrunde aus dem Kandidatenkreis eliminiert würde."






Im Original: Why more and more priests can’t stand Pope Francis

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

loading...