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Samstag, 1. Oktober 2016

Afghanistan: Das Heroin wars, wie blöd

US Soldat bewacht in Afghanistan ein Feld mit Schlafmohn

Von Pepe Escobar für www.strategic-culture.org, 30. September 2016

Und weiter im Text. Bei einem erneuten Pentagon Präzisionsschlag wurde im Achin Bezirk in der Nangarhar Provinz ein Wohngebäude getroffen, und das just in dem Moment als sich eine Menschenmenge versammelte, um ihren Stammesführer zu begrüssen, der gerade von der Hadsch zurückkam.

Mindestens 13 Zivilisten wurden dabei in "Kollateralschäden" umgewandelt. Das Pentagon "diskutiert die Details von Terrorabwehroperationen" selbstverständlich nicht, aber sie "gehen gerade durch alle über den Luftschlag vorhandenen Informationen".

Natürlich wird dabei nichts rauskommen - am Ende stehen eben ein paar tote Zivilisten mehr auf der sich türmenden Schadensliste von Operation Enduring Freedom [die Freiheit erhalten, d.R.].

Jemand, der tatsächlich daran interessiert ist, seine Freiheit in voller Pracht zu erhalten ist der ehemalige Warlord, Chef von Hezb-i-Islami und "Schlächter von Kabul" Gulbuddin Hekmatyar.

Das Pentagon hält keineswegs das Monopol auf den Beschuss von Zivilisten in Afghanistan. Hekmatyar ging selbigem in den frühen 1990ern ebenso mit Inbrunst nach - und betrieb im benachbarten Pakistan nebenher noch ein Foltergefängnis im Untergrund.

Im von den Taliban beherrschten Kabul der späten 1990er sprach ich während des Bürgerkrieges mit vielen Bürgern, die mit dem tadschikischen Kommandeur und "Löwen von Panjshir" Ahmad Shah Massoud - der zwei Tage vor 9/11 ermordet wurde - verbündet waren, die sich daran erinnerten wie Hekmatyars Truppen unablässig die zivielen Viertel beschossen.

Hekmatyar versteckt sich nun seit fast zwei Jahrzehnten - seit 1997. Er kam bislang noch nicht zurück nach Kabul. 2002 versuchte ich ihn - und auch Osama bin Laden - zusammen mit meinem Fixer aus Peshawar in der Kunar Provinz von Afghanistan zu suchen, wobei wir immer wieder auf US Soldaten trafen, die uns um Informationen baten. Nachdem Osama verschwand wurde Hekmatyar ziemlich schnell zum afghanischen Nummer Eins Ziel für "tot oder lebendig", wobei er von Washington als "globaler Terrorist" gebrandmarkt wurde und die UN ihn 2003 auf die Abschussliste setzte.

Nun ist er gerade wieder dabei politische Macht anzuhäufen, nachdem er von der Regierung von Ashraf Ghani begnadigt wurde. Seine Organisation, die Hezb-i-Islami, ist nun schon seit Jahren eine heruntergekommene Militärmacht. Politisch aber sieht es anders aus. Mit der Abmachung zur Begnadigung werden die Hezb Militanten nämlich in der Lage sein für politische Ämter zu kandidieren.

Es war eine harte Nuss, die zu knacken war. Hekmatyar weigerte sich bislang stets etwas zu unterschreiben, so lange die US/NATO Truppen Afghanistan de facto besetzt halten. Die Abmachung stellt nun mehr oder weniger fest, dass Hezb und die USA/NATO sich einig sind, dass sie sich nicht einig sind - und die Abmachung hat Bestand, so lange Hekmatyar keinen Terrorismus unterstützt. Nun müssen nur noch Ghanis Leute den Papierkram erledigen und die Hezb-i-Islami von der UN Liste terroristischer Organisationen streichen.

Ob aber das Einbeziehen der Hezb in die fragile Regierung in Kabul die Taliban einschüchtern wird, bleibt eine offene Frage.


Die Leichen im afghanischen Keller der CIA

Aufgrund vieler prakischer Erwägungen bleibt Afghanistan ein von Ausländern besetztes Land; in dieser Hinsicht entspricht Hekmatyars Logik jener der Taliban - auch wenn die Nachfolger von Mullah Omar sich nicht an den Tischen der Macht in Kabul mitreden dürfen.

Ein westlicher verdeckter Agent mit Wissen, wie Afghanistan auf höchster Ebene in Washington gehandhabt wird meint folgendes:

Osama bin Laden war ein gescheitertes Werkzeug der CIA und sollte als Vorwand dienen in Afghanistan einzumarschieren, um den Heroinhandel wieder in Schwung zu bringen, da es sich dabei um ein Miliarden Dollar Geschäft handelt. Mullah Omar war gegen die Sowjets unser Verbündeter und ein ehrenwerter Mann, der alle Heroinplantagen in Afghanistan vernichtete, nachdem die Taliban das Ruder übernahmen, weil sie den Tod von 300.000 Menschen im Jahr wegen Überdosen für amoralisch hielten. Wir wandten uns gegen ihn und hintergingen ihn. Osama war ein Gast von Mullah Omar und der fragte kaum nach Osamas Verwicklung in 9/11. Da es keine gab, weil er nicht verwickelt war, konnte auch nichts fabriziert werden. Bush Junior machte sich im Fernsehen sogar lustig darüber, dass er einem Haudegen wie Mullah Omar Beweise liefern müsste.

Es wird noch um einiges saftiger, denn der Agent legt dar, was nur wenige sich trauten auszusprechen; die tatsächliche Agenda der CIA in Afghanistan:

Die CIA verwendete die Heroingewinne für externe Operationen und als die Taliban an die Macht kamen brachen ihnen die Umsätze weg. Allerdings war das immer der Weg, auf dem sie um den US Kongress herumkamen. Heroin; das ist der Grund, weshalb wir noch immer dort sind. Der Terrorismus wird über Operation Gladio fabriziert, womit dann die Interventionen gerechtfertigt werden. Die meisten westlichen Geheimdienste sind mit dem Handel verwoben. 93% des weltweiten Heroins kommt aus Afghanistan. Nach dem US Einmarsch wurde der Heroinsektor schnell wieder hochgefahren. Die Militärkonvois, die von den pakistanischen Häfen aus nach Afghanistan fahren transportierten auf dem Rückweg das Heroin für den Welthandel. Die Taliban und Osama hatten mit 9/11 nicht das geringste am Hut.

Hektmatyar übrigens hatte mit dem Heroinhandel nie etwas zu tun.

Kabul hat die Kontrolle über die großen Bevölkerungszentren und etwa 70% des Landes und das wird so bleiben. Der Rest ist Talibanistan. Es gibt keine Chance für Kabul diesen Krieg zu gewinnen. Laut den Zahlen des Generals des Marinecorps Joseph Dunford, dem Vorsitzenden des Generalstab, haben das Pentagon und seine Verbündeten 14.000 Truppen in Afghanistan. Das US Kontingent - 9.800 - wird bis Ende 2016 auf 8.400 fallen.

Jeder einnert sich daran, wie die NATO 2014 "die Kontrolle übergab" - also von den Taliban geschlagen wurde. Die nun verbleibenden US Truppen auf dem Boden werden euphemistisch für die "Ausbidung" und "Luftunterstützung" der afghanischen Armee sorgen und werden dabei von einer Horde an zivilen Vertragspartnern unterstützt. Gleichzeitig transportieren diese Vertragspartner tief im Schatten das CIA Heroin in den Westen.

Die US/NATO Kombo hat gerade versprochen "die afghanischen Sicherheitskräfte zu finanzieren, indem sie die kommenden drei Jahre jeweils eine Milliarde Dollar überweisen werden". Wenigen ist dabei bewusst, dass dies ein prächtiger Anreiz ist für die Heroinhändler der CIA, ihre Waren in Richtung EU zu verschiffen.


Im Original: Afghanistan; It’s the Heroin, Stupid

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