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Donnerstag, 16. Februar 2017

Japan - optimiert für 1960 - stolpert ins 21. Jahrhundert



Von Charles Hugh Smith für www.OfTwoMinds.com, 12. Februar 2017

Wenn ein verknöcherter, sich selbst dienender Status Quo die Veränderung verweigert, dann besteht der einzige nächste Schritt im Zusammenbruch.

Wenn alles gut läuft und niemand die Kerninstitutionen des Landes kritisiert: Dann müssen sie großartige Arbeit leisten, weil alles großartig läuft.

Die Versuchung, diese positive Einstellung bis in die Unendlichkeit zu treiben ist immer vorhanden. Man nehme nur einmal Japans "Schubphase" der 1980er mit der Expansion von Krediten, der Banken und den Unternehmen: Experten extrapolierten die massive Wachstumslinie und erklärten, die Japan AG würde am Ende die Welt besitzen, oder zumindest ihre produktivsten Teile.

"Experten" aus aller Welt strömten nach Japan, um die Strukturen und Prozesse der Japan AG zu studieren, um sie mit nach Hause zu nehmen, um dort dann Japans Erfolg nachzuahmen, indem sie deren Unternehmensstrukturen, die Managerkultur und die Qualitätsprozesse übernahmen.

Schnitt, 30 Jahre später. Wenn heute eine der führenden Unternehmen der Japan AG in die Nachrichten kommt, dann geht es meist um einen Bilanzierungsskandal, bei dem die Unternhemensgewinne als Geschäftsprinzip jahrelang krass übertrieben wurden - ein Prinzip, das die Stagnation der Unternehmensumsätze, der Produktpalette, der Wettbewerbssituation und der Gewinne maskieren sollte.

Was aber passierte mit der oft kopierten und viel gerühmten Japan AG? Viele Beobachter sehen Japans Kernproblem in der Demografie: Mit der Geburtenrate unterhalb des Reproduktionsniveaus altert Japans Bevölkerung rapide. Da junge Menschen Haushalte Gründen und Geld ausgeben hängt das wirtschaftliche Wachstum weitgehen von den Ausgaben der jungen Menschen ab und weniger von den weniger werdenden Ausgaben der Alten.

Auch der Rückgang der Jugend in der Demokrafie sicherlich das Wachstum beeinflusst, so wird gleichzeitig ein größeres Problem übersehen: Die Japan AG - ihr Bildungssystem, ihre Regierung und ihr Banken- und Unternehmenssektor - wurden optimiert für ein Produktionsmodell, das in der Nachkriegswelt ab den späten 1940ern bis in die 1980er existierte.

Inzwischen aber sorgt die digitale industrielle Revolution dafür, dass sich die Art und Weise der Güterproduktion und der Bereitstellung von Dienstleistungen verändert, was dazu führte, dass ein System, das im Jahr 1960 wunderbar funktionierte nicht mehr länger mit der Nachfrage für neue Produktionsmethoden mithalten kann.

In den 1980ern erreichte Japans System der Industrieproduktion für den Export seinen Zenit und viele US Experten bauten ihre gesamte Karriere darauf, dass Japan die USA bald schon in allen wirtschaftlichen und finanziellen Bereichen überholen würde.

Die Übertreibungen in Japans Bankensektor und das Aufkommen neuer Technologien aber, die nicht zur graduellen Verbesserung von Produkten und die vertikal integrierten Unternehmen passen störten diese Prognosen zu Japans globaler Dominanz empfindlich.

Gäbe es die Möglichkeit, ins Jahr 1987 zurückzureisen, um den Gläubigen an die unausweichliche Dominanz der Japan AG mitzuteilen, dass Japan bis zum 21. Jahrhundert nicht mehr länger führend sei im Bereich der Elektronik, Handys, Software und Computer, dann würden sie es einem schlichtweg nicht glauben.

Dieser Artikel über die Schwächen des japanischen Systems für höhere Bildung gibt einen Einblick in die kulturellen, weltanschaulichen und verwaltungssystematischen Schwächen der Japan AG als ganzes: "Japan Gets Schooled" [Japan bekommts gezeigt, d.Ü.]

"Mit Bestürzung wurde im Sommer in der japanischen Gesellschaft aufgenommen, dass die verehrte Universität von Tokio bei einer von der Times in London herausgegebenen Rangliste für asiatische Universitäten ihren Nummer Eins Rang verlor und auf den siebten Platz abstürzte.

Die Universität von Tokio (in Japan bekannt als Todai) hat den kulturellen Rang in Japan, der jenem in den USA von Harvard, Princeton und Yale zusammen entspricht. Es ist das Sprungbrett für all jene, welche einmal in die Eliteinstitutionen des Landes aufsteigen wollen. Nach dem Absturz in den Rängen fühlten viele Japaner, dass das Land selbst - nicht nur die Universität - gerade einen Absturz erlebte.

Die Absetzung der Todai von ihrem Rang steht symbolisch für ein größeres Problem. Japans Bildungssystem kommt kaum nach mit den Veränderungen, die Japan und der Rest der Welt durchläuft. Der Sturz in der Rangliste erfolgte aufgrund von Budgetkürzungen, mangelhaften wissenschaftlichen Publikationen und dem unzureichenden globalen 'Ausblick'.

Mit der Optimierung für ein frühreres industrielles Zeitalter, sind die anachronistischen Bildungseinrichtungen kaum in der Lage, im weltweiten Wettbewerb um Studenten, Einrichtungen, Finanzierung und Arbeitsplätze mitzuhalten.

Es ist kein Wunder, dass Dozenten und Studenten in Inverviews beängstigend ähnliche Worte benutzen, die auch ein Gefangener verwenden würde, um seine Lage zu beschreiben: 'gefangen', 'erstickend', 'feststeckend', und 'wollen entkommen oder uns rausschleichen.'"

Wann immer ich etwas an Japan kritisiere, dann weisen mich die Leute schnell darauf hin, dass das Land nach wie vor über eine wohlhabende, gut geordnete Gesellschaft verfügt und viele beneidenswerte Eigenschaften aufweist. Nur, wo kommt der Wohlstand her? Wie es aussieht verdient die Japan AG eine große Summe mit ihrem Vermögen in Übersee - Wertpapiere, die das Land in den Hochzeiten frührerer Jahre gekauft hat.


http://1nselpresse.blogspot.com/2017/02/buch-die-weltanschauung-des-steve-bannon.html


Blickt man auf die Außenhandelsbilanz des Landes und die steigende öffentliche Verschuldung, dann wird klar, dass Japan langsam das Saatgut für die nächste Ernte auffrisst, um seine übertriebenen Ausgabendefizite finanzieren zu können.

Die im Aufsatz beschriebenen Probleme im höheren Bildngssektor Japans passen auch zur Japan AG: Ein System, das für die Produktionsmethoden von 1960 optimiert wurde (die integrierte industrielle Produktion für den Exportmarkt), wird am Ende scheitern, da die Produktionsweise irgendwann durch eine andere, viel forderndere, ersetzt werden wird.

Jedes Land, egal ob entwickelt oder sich entwickelnd, hat die selben Kernprobleme vor sich: Entweder man klammert sich an ein System, das für eine vergangene Ära optimiert wurde mit der Folge von Stagnation, oder man passt sich an und passt Produktionskapazitäten und Gesellschaft an die neue Produktionsmethodik an.

Wer sich einen zahlenbasierten Eindruck von Japans fiskalem und finanziellem Niedergang machen will, dem empfehle ich die folgenden Dokumente: Das erste ist eine leicht verdauliche Reihe von Schaubildern aus einer OECD Studie, die nächsten beiden sind detaillierte Berichte auf dem japanischen Finanzministerium auf Englisch und das vierte ist ein Artikel, der den politischen Widerstand gegen jegliche systemische Reformen gegen den Status Quo beschreibt:


Die wichtigste Erkenntnis ist hier, dass der Niedergang jahrzehntelang andauern kann, was es Staatsmacht und Medien erlaubt, den Status Quo beizubehalten und die Illusion aufrecht zu erhalten, dass oberflächlich betrachtet alles gut läuft. Besucher und Experten werden nie müde darin zu betonen, dass Japan noch immer eine wohlhabende Nation ist, in der alles wunderbar funktioniert - öffentlicher Nahverkehr etc - und der durchschnittliche Lebensstil beneidenswert gut ist: Langes Leben, gute Gesundheit, Konsumüberfluss, etc.

Die Aufrechterhaltung dieses Wohlstandes aber hat einen hohen Preis. Der soziale Zusammenhalt schwindet (unter der Oberfläche), die Geburtenrate sinkt weiter (was sagt einem das über eine Kultur, wenn junge Frauen keine Kinder mehr haben wollen?) und die Zeichen der wirtschaftlichen Stagnation sind sichtbar für jeden, der einen Blick unter die Motorhaube wirft.


Budget der Zentralregierung, Fiskaljahr 2015; blau: Pflege&Gesundheit; weiß: Pensionen und Soziales; grün: Budgetzuweisungen für Gemeinden; orange: sonstiges; rot: Schuldendienst

Die jahrzehntelange Verschuldung mit dem aussichtlosen Ziel, Strukturreformen vemeiden zu können, hat Japans fiskale Zukunft zerstört. Obwohl Japan fast keine Zinsen auf Staatsanleihen zahlen muss, muss das Land inzwischen etwa ein Viertel seines Regierungsbudgets für Zinsen aufwenden - und die Bedienung aller Schulden verkonsumiert bereits 41% aller Steuereinnahmen. Mit Hilfe der Steuereinnahmen wird nur 64% der Schuldenlast finanziert; 35,6% der Regierungsausgaben erfolgen auf Pump.

Wie ich in meinem Buch "Why Our Status Quo Failed and Is Beyond Reform" [Warum unser Status Quo unreformierbar am Ende ist, d.Ü.] erkläre, weis man, dass der Status Quo an der Lebenserhaltung hängt, wenn Ausnahmemassnahmen zur Dauereinrichtung werden.

Dabei handelt es sich um erstaunlich untragbare politische Massnahmen und doch weigert sich der Status Quo gegen fundamentale Strukturreformen und hält Japan damit auf der sich nicht verändernden Flugbahn der Stagnation. Stagnation aber ist nie dauerhaft, irgendwann führt die Erosion zum Zusammenbruch.

Wenn ein verknöcherter, sich selbst dienender Status Quo die Veränderung verweigert, dann besteht der einzige nächste Schritt im Zusammenbruch.



Im Original: Japan, Inc.: Optimized to 1960, Stumbling in the 21st Century

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