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Sonntag, 15. Januar 2017

Udo Ulfkotte ist tot: Textanalyse des Nachrufs bei Spiegel Online


Tenor: Nur ein Tropfen Senfgas mehr damals und dieser Artikel wäre gar nicht erst notwendig geworden. Von Ingmar Blessing, 14. Januar 2017

Eines vorweg: Ich war ein ziemlich miserabler Schüler und das galt auch und insbesondere für meine Leistungen in Deutsch. Meine Abonnement auf die Note vier ("ausreichend") war quasi zementiert. Vom Gedichtvergleich bis zur Interpretation strahlte mir am Ende stets die gerechte vier entgegen. Das heisst, es war Schund, was ich da ablieferte. Ich war anwesend, kam der gestellten Aufgabe pro forma nach und habe mir/anderen dabei nicht permanent in der Nase herumgepopelt.

Es ist also sehr gut möglich, dass das alles Quatsch ist, was da jetzt gleich kommen wird. Aber ich will es trotzdem wagen, ein paar analysierende Worte loszuwerden zu dem was ich bei Spiegel Online zum Tod von Udo Ulfkotte gelesen habe.

Meine Besuche bei den Mainstream Medien sind mittlerweile selten geworden. Die Alternativen bieten mir mehr als genug und ich ärgere mich am Ende zwar trotzdem über das gelesene, allerdings über den Inhalt und nicht darüber, dass mir gesagt wird, was ich davon zu denken habe und auch nicht über all das, was mir nicht mitgeteilt wird. Hin und wieder aber, wenn der Blick es bei einem Thema wert scheint, schaue ich dann doch mal nach und das Ableben von Udo Ulfkotte war so eine Angelegenheit. Er hat sich ja heftig genug an den Mainstream Medien gerieben und er war auch lange Zeit genug ein Teil davon.

Als ich bei seinem ehemaligen Arbeitgeber FAZ.net (Frankfurter Anal Zone) nichts fand, ging es weiter zum notorischen SpOn und siehe da, irgendwer im Wochenenddienst hat das heise Eisen angefasst und zumindest kurz bemerkt, dass da eben jemand Öffentlichkeitswichtiges gestorben ist. Und auch wenn ich, wie eben erwähnt, völlig daneben liegen könnte, so kam es mir beim lesen des Nachrufs vor, als würde jemand auf die Rückseite des Bildschirmes kotzen und der Gestank des Erbrochenen war so ohrenbetäubend, gäbe es die digitale Geruchsübertragung, ich hätte wohl gleich noch die andere Seite des Bildschirmes mit meinem Mittagessen verziert.

Gleich im Titel raunt es einem entgegen:

"Umstrittener Publizist Udo Ulfkotte ist tot"

Im Wortlaut ist das objektiv und faktisch zu 80 Prozent korrekt, das kleine Hilfsverb "ist" nicht dazuzählend. Nur, dieser imposante Prozentsatz ist nicht so wichtig, was zählt ist der Tenor. Und der geht vom Monster gleich zu Beginn aus: "Umstritten!" Umstritten ist zwielichtig, grenzwertig, scharf und auch ein kleines bisschen gefährlich. Ich habe mal gelesen, Frauen stehen auf Männer mit diesen Eigenschaften, obwohl sie wissen, dass die wahrscheinlich nichts taugen beim Kinder grossziehen. Und auch ich als Mann denke mir auf abstrakter Ebene, dass jemand oder etwas mit diesen Eigenschaften zumindest interessant sein könnte. Wer nun denkt, dies sei nicht der Fall, dem hilft vielleicht dieser Vergleich hier weiter:

"Das ehemalige Nachrichtenmagazin 'Der Spiegel' schrieb einen Nachruf auf Udo Ulfkotte."

Na? nicht so knusprig, oder? Da kann man ja gleich den Stern lesen. Aber jetzt mal vergleichen mit:

"Das umstrittene ehemalige Nachrichtenmagazin 'Der Spiegel' schrieb einen Nachruf auf Udo Ulfkotte."

Boah! Das klingt ja fast so, als sei da etwas, das es wert sein könnte gelesen zu werden. Möglicherweise gut, Möglicherweise schlecht, aber auf jedenfall "zwielichtig, grenzwertig, scharf und ein kleines bisschen gefährlich". Zeitverschwendung geht anders.

Es geht weiter im strikt fakenbasierten Untertitel Teaser.

"Der frühere "FAZ"-Journalist und umstrittene Buchautor Udo Ulfkotte ist tot."

Chronologisch korrekt wird hier die Vita zusammengedampft auf "FAZ -> umstritten" und mit etwas Glück bleibt beim Leser auch hängen: "umstritten -> FAZ". Seitenhiebe unter Freunden müssen eben sein. Auch wenns inhaltlich leider eher nicht im Bereich des Realistischen liegt.

"Er erlag am Freitag einem Herzinfarkt. Das bestätigte die Familie SPIEGEL ONLINE. Ulfkotte wurde 56 Jahre alt."

Uiuiui - da hat sich tatsächlich jemand die Mühe gemacht und nicht nur bei Wikipedia nachgeschlagen, sondern sogar zum Telefonhörer gegriffen und die trauernde Familie genervt. Oder doch blos bei der schnelleren Konkurrenz nachgesehen? In Zeiten der Postfaxe muss man die Extramühe fast schon goutieren, vor allem, wenn dezent in GROSSBUCHSTABEN auf die erbrachte Leistung hingewiesen wird.

Dies ist keine unfaire, weil bodenlose Unterstellung. Das mit der bodenlosen Unterstellung ist klar, der Eigenname wird oftmals groß geschrieben, ist bei den Spiegel Angeboten Standard und hat absolut rein gar nichts mit dem Inhalt zu tun. Es ist allerdings keineswegs unfair, weil jetzt der Hauptteil des Nachrufs beginnt und dieser wiegt die unfairen Ungereimtheiten der hier vorgetragenen Textanalyse bei weitem auf.

"Der umstrittene Buchautor und politische Aktivist Udo Ulfkotte ist gestorben."

Und weils so schön ist gleich nochmal "umstritten". Das war jetzt das dritte Mal im ditten Satz und der Artikel ist noch keine 40 Worte alt. Allerdings ist das wichtig, damit der Leser einen roten Faden in die Hand bekommt, an dem er sich entlang hangeln kann. Für die Unaufmerksamen wird das Schlüsselwort oder eine Variation davon sicher noch ein paar Mal im Text fallen. Fragt sich nur: Umstritten bei wem, Hausfrauen? Hundehaltern?

Dann wäre da noch der "politische Aktivist", der der gute Udo war. Ein richtiger Tausendsassa: "Publizist -> FAZ -> umstritten -> Buchautor -> politischer Aktivist". Man könnte fast zum Schluss kommen, dass seine Karriere erst so richtig begann, als er bei der FAZ in Ungnade fiel.

Bekommen wir dazu noch ein paar Infos geliefert? Zunächst einmal nicht:

"Er erlag am Freitag einem Herzinfarkt, wie seine Familie SPIEGEL ONLINE bestätigte. Der ehemalige Redakteur der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ), der bereits mehrere Herzinfarkte überstand, wurde 56 Jahre alt."

Erst einmal kommt die Wiederholung des gesagten - eine wohlbekannte Unsitte der heutigen Publizistik, die leider nicht nur auf die deutschsprachigen Medienangebote reduziert ist. Irgendwie müssen die Informationsbissen ja auf Artikellänge aufgeblasen werden. Und wenn man über den Sachverhalt nicht mehr sagen kann - oder will - dann muss man eben ein paar Mal das bereits mitgeteilte wiederholen. Es wäre aber auch seltsam, wenn in Titel und Teaser Informationen stehen, die dann im Hauptteil völlig ignoriert werden. Daher kommts einfach nochmal.

Insgesamt lädt diese Textstelle aber durchaus zu einer wohlwollenden Interpretation ein: Die Redaktion gestand Ulfkotte genug Wichtigkeit zu, um seinem Ableben mehr als nur eine Tickernachricht zu widmen. Man stelle sich nur vor, er hätte eine rot unterlegte ++Eilmeldung++ bekommen.

Vielleicht waren sie letztlich auch dazu gezwungen, weil er zig Millionen Leser im Land und auf der Welt hat und er mit seinen Büchern wiederholt auf der Spiegel (bitte die Großbuchstaben dazudenken) Bestseller Liste stand. Wobei das natürlich nur eine kleine Nebensächlichkeit ist, das braucht so ein Nachruf nicht. Vor allem dann nicht, wenn es um eigene Produkte geht, die mit der jeweils kaputtzuschreibenden Persona non grata in positivem Zusammenhang stehen.

"Ulfkotte, der nach 17 Jahren als "FAZ"-Redakteur als freier Publizist arbeitete, sprach zuletzt auf Pegida-Demonstrationen, vertrat dort rechtspopulistische Thesen und schürte die Angst vor dem Islam."

Igittigittpfuiteufelbäh! Das muss den 1-Euro-Volontär aber ordentlich geschmerzt haben, als es an der Zeit war, diesen Satz in die Tasten zu zwängen. Wenigstens ist die Grammatik mau, als der Volontär, als er das schrieb, öfters zum als griff, als er es laut Schreib-Knigge hätte machen sollen.

Dieser Werdegang, wie er beschrieben wird, erinnert ein bisschen an den Schauspieler aus der Alf Serie, der den Familienvater spielte. Heute ist der Mann zwar immer noch im Filmgeschäft aktiv, allerdings im Bereich Schwulenpornos, um damit seine Cracksucht zu finanzieren. Offenbar kannte der Autor des Nachrufs diese Geschichte nicht, sonst hätte er sie sicherlich als einordnenden Vergleich für den Leser eingewoben, um zu zeigen, was da mit Udo Ulfkottenazi passiert ist. Vielleicht kannte er die Geschichte aber auch, wollte aber an der Oberfläche bleiben und besser mal vermeiden, dass der Leser ins Grübeln kommt, warum Ulfkotte erst eine ansehliche Karriere bei dem - zu seiner Zeit dort - als ehern liberal-konservativ bekannten Blatt hinlegte und seine Sache offenbar gut machte, nur um dann den Nothalt im Karrierelift zu drücken und sich verabschiedete.

Nun, Ulfkotte ging und die FAZ begann irgendwann zu rosten. Ulfkotte machte dann auf Publizist mit eigener Rechnung, wobei die Leser wie es scheint mit ihm gingen und die FAZ unweigerlich auf eine Schussfahrt ins Tal schickten. Korrelation oder Koinzizenz? Kackegal! So weit gehen die Fieseleien zwischen den Mainstreamdickschiffen dann doch nicht, um ausgerechnet an der Stelle ein Loch in den Rumpf zu bohren. Denn manchmal bohrt man zu weit und dann versenkt man sich selbst. Also besser mal vorsichtig bleiben.

"In seinem neuesten Buch über die Zukunft Deutschlands warnte Ulfkotte vor Ausländerkriminalität und Migrantenbanden sowie dem Versagen des Staates beim Umgang damit."

Das ist aber sehr unspiegelig, dieses "Migrantenbanden". Hätte man da nicht besser etwas wie "Neubürgervereine" schreiben können? Es geht grandios weiter mit:

"'Etwa 60 Prozent der Frauen haben Angst, wenn sie ihre Wohnungen verlassen', stellte er als Bedrohungsszenario in den Raum."

Aha, Udo Ulfkottenazi stellte da also ein "Szenario in den Raum". In welchen Raum denn? Den wirre Verschwörungstheorieraum, wie suggiert wird, oder doch eher in den Realitätsraum? Zugegeben, es war die Konkurrenz, die sich das zu berichten traute und zwar ein gefühltes Jahrhundert, nachdem Ulfkotte diese faktisch untermauerte Information mit 100 Prozent Wahrheitsgehalt als erstes prominent in die Welt posaunt hat. Vermutlich war der Nachruf da schon fertig geschrieben, oder so. Es ist anzunehmen, dass sich die wenigsten Leser beim Lesen dieser Stelle nicht am Kopf kratzend gefragt haben, was das denn nun war: Lügenpresse? Postfaktisch? Fake News?

Klassischer Schmierenjournalismus lautet die korrekte Antwort. Schmierenjournalismus, wie ihn der ein oder andere Insasse der DDR 1.0 villeicht noch aus führeren Tagen kennt.

"Zuvor argumentierte er, Ausländer würden in Deutschland gegenüber 'ethnischen Deutschen' fast überall bevorzugt."

Nicht erst danach? Manoman, der war seiner Zeit ja um Jahre voraus. Moniert werden muss hier vor allem das "fast". In welchen Bereichen werden ethnisch Deutsche denn nicht benachteiligt? Bei der Wohnungsvergabe: Njet. Bei der Sesshaftwerdung im sozialindustriellen Komplex: Njet. Bei der Nachsicht durch die Kuscheljustiz: Njet. Bei der Eignung fürs Beamtentum: Njet. Bei der Auslebung der Tradition: Njet. Bei.. Oh, halt! Da ist doch was: Bei der Notenvergabe und ihrer nachträglichen Verbesserung durch das Bildungsministerium, weil das Ergebnis selbst nach den eigenen Standards ein klitzekleines bisschen zu.. öhm.. mau war. Und ja, man muss tatsächlich davon ausgehen, dass auch ein paar Restbesände blonder SS-Anwärter der Bevölkerungsgruppe der schon länger Dalebenden mit dabei waren, die von der Massnahme profitierten. Das blöde an all dem ist natürlich - und das muss man dem Spiegelschreiberling nachsehen - solche Infos gibts im Spiegel (Grossbuchstaben) Universum leider nicht.

"Über den Kurznachrichtendienst Twitter schürte Ulfkotte systematisch Ängste. In stetigem Fluss meldete er - oft mehrmals täglich - Nachrichten, sobald in ihnen Ausländer kriminell wurden, etwa einer Vergewaltigung oder Belästigung verdächtigt wurden oder andere Menschen angegriffen haben sollen."

Ach mist! @Udoulfkottenazi war bei Twitter? Wie blöd, dass es Twitter bei mir nie in die Aufmerksamkeitsliste geschafft hat. Da ist mir doch tatsächlich ein wichtiger Kanal für meine Auto-Suggestion entgangen, wobei es vielleicht eher heissen sollte: LKW-Suggestion. Aber wirklich schlimm, was er da gemacht hat. "In stetigem Fluss meldete er" Hurra-Nachrichten. Hoppla, nein, das macht Spiegel Online, wenn mal sich mal wieder ein muslimischer Asylant als des Lesens mächtig entpuppt, oder gar den von seinen Religionsgenossen gelebten Schariaislam kritisiert.

Fieserweise ist es aber auch so viel einfacher, die Welt über schlechte Nachrichten zu informieren. In verrückten Zeiten kommen die nämlich bei weitem häufiger vor und bei den Positivnachrichten (siehe etwa das Moslem-als-Islamkritiker-Beispiel von eben) muss man auch höllisch aufpassen, dass man da nicht einem Scharlatan aufsitzt, einem heimlichen Hassprediger, oder gar welchen, die dem Islam attestieren, dass keinesfalls nichts mit rein gar nichts zu tun hat und sich einfach mal so ohne Hintergedanken zu hegen in die chrlistliche Unterwürfigkeit taufen lassen. Doppelplusgutnachrichtendienstleister haben es in Krisenzeiten einfach viel schwerer als andere und daher ist es nichts als fies, wenn da einer ankommt, und einem die Butter vom Brot nimmt.

"Noch am 11. Januar twitterte Ulfkotte, 'Gesichter unserer Kinder zerschneiden ist offenbar der neueste Trend unserer Mitbürger'."

Wie kommt er böse Mann denn nur auf so eine abstruse Idee? Aber halt, zunächst gilt es hier zu loben, dass der Schreiberling tatsächlich über Ulfkottes Twitternachrichten gegangen ist. Wenn wohl auch nur die letzten paar - man weis ja nie, Ulfkottes letzte Nachricht hätte ja irgendetwas sein können von wegen: "Kennt jemand ein starkes #Herzmittel?" Hier lässt sich die eingeflossene Recherchearbeit sehr gut am Endergebnis ablesen. Der Autor des Nachrufs hat tatsächlich mehr getan, als Wikipedia und Google zu bedienen: Er hat auch Twitter bedient.

Die für den Autor weniger schmeichelhafte Interpretation des Satzes wäre, dass er (heimlich!) Ulfkottes Twitternachrichten im Abo hatte. Weil, man will - nein - muss ja trotzdem über die Realität da draußen informiert sein, auch wenn sie einem nicht gefällt und man auf der anderen (besseren!) Publizistikseite steht. Die tatsächlichen Umstände werden wir wohl nie erfahren.

Nun zum Eingemachten. Mitbürger zerschneiden Kindern das Gesicht und hier möchte ich kurz wiederholen: Ach mist! Das wusste ich noch gar nicht. Die Info habe ich völlig verpennt. Aber sowieso, das ist ja alles Verschwörungsblibla und hat nichts mit der Realität zu tun, wie etwa auch, als sich ein paar unserer "bulgarischen" Mitbürger in Berlin dazu entschlossen, eine junge Frau von hinten die Treppe herunter zu treten, was dann promt zu einem "Trend" mit mehreren Nachahmern wurde. Und war da nicht noch was mit LKWs? Allerdings wäre das zu viel der Transferleistung. Daher wird der Satz auch quittiert mit:

"Ängste durch Verschwörungstheorien"

Ja, da ist was dran. Wenn jemand Theorien über gesellschaftlich bedenkliche Prozesse aufstellt, die nichts mit dem Geschehen im Land zu tun haben, immer nur im Vagen bleiben und für den Leser genug Interpretationsspielraum lassen, damit sie Gegebenheiten aus dem Alltag in diese Richtung deuten können, dann sind das Verschwörungstheorien und daraus können bei manchen Menschen irrationale Ängste erwachsen. Dummerweise aber ist das bei den von Udo Ulfkotte publizierten Geschichten und Meldungen nicht der Fall. Wenn Treppentreter einen Trend lostreten können, oder LKW-Terroristen, dann können das nunmal auch Gesichtsschnibbler. Nicht so für die Wochenendredaktion des ehemaligen Sturmgeschützes, wo gleich noch eine Salve der Missgunst hinterhergejagt wird:

"Mit vielen Verschwörungstheorien unterhielt Ulfkotte seine Leser."

Auch das schlimm, ganz schlimm. Er unterhielt seine Leser, die ihm seine Bücher fast schon aus den Händen rissen. Da kann Wehmut aufkommen. Nicht nur hat er fest in der Realität verankerte Verschwörungstheorierealitäten aufgestellt und war nicht nur schneller als alle anderen beim Berichten, nein, er hat damit sogar noch unterhalten. Wie Roberto Blanco. Pfui! Am allerschlimmsten ist ja, er hat seinen Büchern ellenlange Verweise angefügt, die - da muss man ehrlich sein - durchaus allesamt irgendwo ins Leere führen könnten. Nur, wer geht die schon alle durch? Sicherlich kein seriöser Kritiker!

"So schrieb er einst über geheime Pläne der Bundesregierung, das Land an die internationalen Nahrungsmittelkonzerne auszuliefern. Ulfkotte legte dar, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel heimlich darauf hinarbeite, die Eigenversorgung der Bundesrepublik mit Lebensmitteln zu untergraben und warnte, im Krisenfall würden die Nahrungsmittelreserven nur drei bis fünf Tage reichen."

Hahahaha, wie lächerlich! Ja, das ist ganz toll witzig, wie dumm das doch ist von diesem alten Schwachsinnsstänkerer Ulfkotte! Also wenn ich in den Bio-Öko-Supermarkt gehe, dann sind die Regale noch immer bis oben hin voll. Wirklich lustig.

Und auch der Erzählbogen wird wunderbar weitergespannt. Von der "umstritten" Einleitung gings über zur "Verschwörungstheorie" These und nun kommt das - ich nehme an - "absurde" Beispiel. Blöd nur, dass auch hier irgendwie ein zyklischer Zusammenhang zu bestehen scheint zwischen Ulfkottes kruden (gutes Wort, ja?) Verschwörungstheorien, auf die dann die Realität genau so folgt, dass seine Verschwörungstheorien nachträglich - NACHTRÄGLICH - als zutreffend bestätigt werden. Also wirklich, so ein Wirrkopf!

 

Aus einer anderen Perspektive, die der Autor uns ersparte, damit wir heute Nacht keine Alpträume bekommen, wird Ulfkotte noch unheimlicher. Was nämlich, wenn er das alles selbst geplant hat und die Dinge dann immer in genau der schrecklichen Weise, oder gar noch schlimmer, eintraten, wie er es prognostizierte - oder in dem Fall besser - ankündigte? Vielleicht ist es ja wirklich besser, dass er weg ist, damit die Menschheit nun endlich in den Zustand des Weltfriedens eintreten kann. Was für ein Monster! Fast schlimmer wie Hitler.

Und weiter gehts mit dem post-mortalen Zurechtrücken der Teufelshörner:

"Nach seinem unfreiwilligen Abschied von der 'FAZ' stellte Ulfkotte auch die Medien an den Pranger."

Sapperlott aber auch! Er ist also unfreiwillig gegangen? Als Angestellter? Da muss er aber ordentlich einen an der Kandarre gehabt haben. So schnell geht heute keiner, nichtmal weiße, heterosexuelle Männer. Das heisst, da muss mehrmals etwas schwerwiegendes vorgefallen sein, so dass die gute alt-ehrwürdige FAZ am Ende keine andere Möglichkeit mehr hatte, als ihn hochkant rauszuwerfen. Was war es denn? Bleibt im dunkeln. Vermutlich wars der Alkohol. Es ist meistens der Alkohol. Dann erwischt, Abmahnung, Entziehung, gefolgt vom Rückfall: Um halb 10 Uhr morgens mit runtergelassener Hose dem Chef auf den Schreibtisch gereiert und das wars dann mit Udos Zeit bei der Qualitätspresse.


Oder waren es am Ende berufsethische Gründe, die mit der journalistischen Integrität zu tun hatten, Ulfkotte die Doppelstandards einfach nicht mehr aushielt und irgendwann aufgeschrien hat? Wir werden es von Spiegel, Off- wie Online (Grossbuchstaben.. ), wohl nie erfahren. Was bleibt: Die Säufergeschichte klingt bei weitem spannender.

"In seinem Buch 'Gekaufte Journalisten' berichtete er, das bei den sogenannten Qualitätsmedien beschäftigte Pressekorps sei in Wahrheit ein korrupter Haufen von Abstaubern, die die Öffentlichkeit nach Strich und Faden belügen und betrügen würden."

Eindeutig abgekupefert. Das sieht man an der relativ für den übrigen Artikel abfallenden Wortwahl mit "korrupter Haufen von Abstaubern" die "nach Strich und Faden belügen und betrügen". Der ganze Nachruf nimmt bewusst eine schreibtechnisch und damit moralisch erhöhte Position ein, indem sowohl eine Wortwahl verwendet wird, die deutlich über dem durchschnittlichen Plauderton liegt, als auch grammatikalische Figuren bietet, die sich in Hamburgischen Abiturprüfungen vermutich nur ausnahmsweise finden lassen. Das hätte der Autor selbst besser formuliert. So aber bricht die Erzählrhythmik der schönen Worte für hässliche Formulierungen und der Leser bekommt kurz mitgeteilt, was er beim Verblichenen wirklich verpasst hat: Harte, ungeschminkte Realitäten. Also Verschwörungsrealitäten, sprich Verschwörungstheorien.

"Journalisten würden ihren heimlichen Auftraggebern bei CIA und Wall Street nach dem Mund schreiben. Mehrere Medien wiesen Ulfkottes Behauptungen als unseriös zurück."

Was sollen sie auch sonst machen? Das Gängelband der CIA bestätigen? Daneben ist zu fragen: "mehrere", nicht alle? Da gibt es also tatsächlich Medien da draußen, die offen eingestanden haben, dass Udo Ulfkotteverschwörungstheoretiker mit seinen Vorwürfen recht hat? Mein Gott! Udo Ulfkotte mag gestorben sein, aber meinem Informationsstand ist er vermutlich noch über Jahre voraus. Schön, dass Spiegel Online hier ein Defizit bei einem Leser ihrer zum Vorschein hat treten lassen. Das ist Service! Firma dankt.

"Ulfkotte war bereits längere Zeit gesundheitlich angeschlagen. So hatte er bekannt gemacht, dass er mehrere Herzinfarkte hinter sich gebracht habe. Ein schwerer Skiunfall und dessen Folgen, eine schlecht ausgeheilte Malaria Tropica und Spätfolgen einer Giftgasverätzung der Lunge setzten ihm zu."

Steht das so bei Wikipedia? Noch nie gehört: "Malaria Tropica". Das klingt fast so wie "Pina Colada" und überhaupt nicht wie "Malaria tödlich". Klar, das mit dem Giftgas fällt hier etwas ab, aber hat nicht auch Hitler eine Giftgasverätzung überlebt? Und was hat er danach gemacht? Siehste mal.

"Der Publizist hatte zudem eine Krebserkrankung überstanden."

Ja, das hat wirklich gefehlt bei Hitler: Krebs. Wirklich blöd, dass Vegetarier angeblich so wenig Krebs bekommen.

"Er behauptete unter anderem, die 'FAZ' habe ihn aufgrund dieser Krankheit aus dem Haus gedrängt und verwies zudem auf verschiedene beruflich bedingte Verletzungen."

Also doch noch etwas mehr Infos zu seinem Abgang von der Analzone. Zum Glück enthält der Satz aber genügend Konjunktive und das suggestiv klingende "behauptete", damit man die Alkoholnummer nicht völlig dementieren muss.

"Bei seinem ehemaligen Arbeitgeber wurden Ulfkottes Anschuldigungen als Versuch gewertet, höhere Versorgungsansprüche geltend zu machen."

Pfui! Was für ein Abzocker! Das kennt man bei Spiegel Kommanditisten ja gar nicht. Die sind schon zufrieden, wenn der Jahresbonus für den neuen Porsche reicht. Es ist auch völlig verschwörungstheoretisch, so etwas absurdes zu behaupten, wie es Udoulfkottenazi gemacht hat. Ein Kriegsberichterstatter, der während der Arbeitzeit eine Giftgasverätzung erleidet, dann auch noch Krebs bekommt und droht, als Invalide die Firma sinnlos einen Haufen Geld zu kosten, was diese verhindern will. So etwas kommt vielleicht alle 100 Jahre mal vor und dann irgendwo in Afrika. Aber doch nicht bei uns in Deutschland!

Davon abgesehen: Giftgas und Krebs überleben? Was ist das für ein Scheissglück! Total unfair gegenüber allen anderen, die nicht überleben. Solidarität und Mitgefühl mit einem solchen Glückspilz von Arbeitnehmer - so im klassischen Gewerkschaftersinne - oder auch nur zwischen Arbeitnehmern der selben Zunft, oder allgemein mit einem menschlichen Schicksal? Völlig deplatziert! Nicht zuletzt: Der macht mit Verschwörungstheorien einen Haufen Geld. Erst Versorgungsansprüche, dann Verschwörungstheorien! Das sind mir die richtigen. Weg mit dem und nochmal: Pfui!


Zuguterletzt noch ein Vorschlag: Lasst den Worten Taten folgen!

Wenn die ganze Sache vorbei ist, also der Rest der Nachrufe geschrieben ist, die Beerdigung vorbei und die Grabstelle ihre Standardbeblumung erhalten hat, dann macht doch mal einen Betriebsausflug dorthin. So als gruppenfördernde Massnahme. Soll gut wirken - vor allem in Zeiten, wenns nicht mehr so richtig laufen will mit der Wahrheit der Auflage. Packt alle Kollegen - Kommanditisten und 1-Euro-Schreiber alle gleich - in einen Bus, füllt den Kofferraum mit Bier Pinot Grigio und dann macht einen Ausflug zum Friedhof, auf die Ulfkottesau begraben liegt. Wo das ist solltet ihr doch sicher unfallfrei recherchieren können, oder?

Und dann sauft euch Mut an und pisst alle auf sein Grab!

Denn das, was ihr mit diesem "Nachruf" auf ihn hingerotzt habt ist nichts anderes als die publizistische Variante genau diesen Vorganges. Ihr habt draufgepisst auf diesen grandiosen, mutigen - Vorsicht Nazialarm - deutschen Journalisten, Aufklärer - und brav neudeutsch - Whistleblower Udo Ulfkotte!


Es ist zu nur schade, dass er den finanziellen Bankrott von euch dummen, hirnverbrannten Idioten nicht mehr mitbekommen wird, nachdem er über euer publizistisches Ableben so ausgiebig und fundiert berichtet hat.



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