Donnerstag, 26. Januar 2017

Die "Taschengeldlücke" ist ein alternativer Fakt

Sollten Frauen höhere Sozialbeiträge zahlen?

Von Joanna Williams für www.Spectator.co.uk, 25. Januar 2017

Alle Eltern: Sofort aufhören, was ihr gerade macht, nach Hause gehen und eurer Tochter mehr Taschengeld geben. Sie braucht es. Ein Bericht von dieser Woche zeigt, dass Mädchen weniger als das ihnen von der Mama-und-Papa-Bank zustehende bekommen; ganze 2,20 Pfund pro Woche weniger, um genau zu sein. Jungen werden bevorzugt, wenn es um das Verteilen der Zuteilungen geht, sie bekommen regelmässig mehr, als ihre Schwestern.

Arme Mädchen. Der Gender Pay Gap ist nie lange aus den Schlagzeilen und dann noch herausfinden zu müssen, dass er schon zuschlägt, wenn man noch nicht einaml mit der Schule fertig ist - nicht zu sprechen, einen Arbeitsplatz hat - ist ein ziemlicher Tiefschlag. Ich nehme stark an, meine Tochter wird mich bei der Angelenheit noch festnageln. Wie Laura Bates, Expertin für Alltagssexismus, schnell anmerkte, haben diese 2,20 Pfund pro Woche bei weitem mehr Konsequenzen, als weniger Red Bull oder Handygeld. Offenbar ist die Gender Taschengeldlücke ein mächtiger Indikator für die Kinder, was ihren "Wert" betrifft und "was von ihnen im Erwachsenenalter erwartet wird".

Inmitten meiner Versuche, das fehlende Bare zusammenzusuchen dachte ich mir, ich sollte mir die Statistik vielleicht mal etwas genauer ansehen. Zumindest hätte ich es gemacht - allerdings kostet der Zugang zum von der Recherchefirma ChildWise angefertigten Bericht 1.800 Pfund plus Mehrwertsteuer. Alles, was wir wissen ist, dass die Taschengeldlücke entdeckt wurde bei Antworten, die Kinder zwischen 5 und 16 bei einer Internetumfrage gaben.

Ein Problem mit dieser Art von Forschung besteht darin, dass die Kinder selbst mitteilen müssen, wie viel sie bekommen. Ihre Eltern wurden nicht gebeten, den Betrag zu bestätigen oder die fraglichen Summen zu verneinen. Wir wissen schlichtweg nicht, ob die Kinder, die den Laptop unsicher auf den Knien balancieren die Wahrheit gesagt haben. Es könnte nämlich gut sein, dass die Jungen sich gerne etwas aufspielen und übertreiben, während die Mädchen früh lernen, dass man mehr Sympathien und Aufmerksamkeit bekommt, wenn man seine Privilegien runterspielt. Nichtsdestotrotz zeigt die Studie eine Lücke von 2,20 Pfund pro Woche - daher müssen wir das als Tatsache hinnehmen.

Aber, meine lieben unter Druck stehenden Eltern - habt keine Angst! Wie es aussieht gibt es nämlich alternative Fakten. Forschungsergebnisse aus dem letzten Jahr zeigen, dass es 46 Prozent mehr kostet, ein Mädchen grosszuziehen, als einen Jungen. Offenbar muss man bis zum 18. Geburtstag ungefähr 30.000 Pfund mehr für ein Mädchen ausgeben, als für einen Jungen [4,50 Pfund pro Tag!, d.R.]. Auch wenn Jungen jede Woche ein kleines bisschen mehr Taschengeld bekommen, so wird bei Mädchen mehr für die Kleidung, Aktivitäten, Nippes, Hygieneprodukte und Schuhe ausgegeben. Mädchen brauchen vermutlich nicht so viele Schokoriegel, dafür aber bekommen sie mehr Designerturnschuhe.

Aber, so die Erwiederung der Feministen, dieser Kostenvergleich pro Kind zeigt nur, dass Mädchen nicht in der Lage sind über ihre eigenen Ausgaben zu entscheiden. Sexistische Eltern verweigern ihren Töchtern die finanzielle Unabhängigkeit. Mag sein. Allerdings müssen wir dann schon annehmen, dass den Mädchen aus Strafe irgendwelche ungewollten Kleidungsstücke und Hygieneartikel aufgedrängt werden, weshalb es naheliegend ist, dass die Mädchen irgendeine Art der Kontrolle über das haben müssen, was für sie gekauft wird. Nach meiner Erfahrung jedenfalls kennt die Plagemacht eines in einem Kleidungsgeschäft freigelassenen 10 jährigen Mädchens überhaupt keine Grenzen.

Die einzige Lektion, die man aus dieser Taschengeldgeschichte lernen kann ist jene, dass es bei jedem Forschungsbericht auch eine zweite Seite gibt. Wie auch bei der Berichterstattung zum Gender Pay Gap für Erwachsene ist es gut möglich, dass alle der verwendeten Statistiken zutreffen, allerdings schliesst das nicht aus, dass alles so gemessen und zusammengeschnitten wurde, um genau das zu beweisen, was die Aktivisten beweisen wollten. Viel zu oft meinen manche, dass ein rechtschaffener Aufschrei wegen Sexismus genug ist, um danach keine Argumente mehr nachreichen zu müssen. Es scheint ganz so, als gäbe es da Fakten und dann gibt es da noch alternative, feministische Fakten.



Im Original: The ‘pocket money gap’ is an alternative fact