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Dienstag, 11. April 2017

Was den Medien entgeht: Syrien, das Imperium und die Macht der Signale

Von Rom lernen heisst.. Syrien angreifen


Von Charles Hugh Smith für www.OfTwoMinds.com, 9. April 2017


Wer das sorgfältig choreografierte Drama auf eine Bühne und ein Publikum reduziert, der könnte am Ende das Signal nicht verstehen.

Es scheint ganz so, als seien die Medienbeobachter von den Ereignissen in Syrien und der Viezahl sich widersprechender Erklärungen heillos verwirrt. Hat Trump den Sumpf trockengelegt? Haben die Neocons Trump erfolgreich dazu gebracht, auf sie zu hören? Schlittern die USA gerade in noch einen endlosen Krieg hinein?

Man sollte die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass keiner dieer Narrative bis ins Herz dessen vordringt, was gerade abläuft. Wer Sinn die Sache bringen will, der muss weitaus tiefer graben, als nur bis zu den tagesaktuellen Schlagzeilen.

Ich denke Ilargi (The Automatic Earth) hat es vor kurzem in seinem Aufsatz "Symbole der Stärke" recht gut erfasst, in dem er vermutet, dass dieser ganze Tomahawk Angriff nur wenig zu tun hat mit Syrien und ausschliesslich damit zu erklären ist, dass Trump Chinas Präsident Xi zeigen wollte, dass er bereit ist Gewalt anzuwenden.

Die ursprüngliche Idee des Signalisierens stammt vom Ökonomen Michael Spence und seinem Signalmodell für den Arbeitsmarkt, das sich mit der Kommunikation vermischt hat.

Spence vertritt die Ansicht, dass ein Universitätsabschluss die asymmetrische Informationslücke zwischen Angestelltem und Arbeitgeber überbrückt: Der Arbetigeber hat nur wenig Zeit, um nützliche Inforamtionen zur Qualifikation und Eignung von Bewerbern zu sammeln. Ein Universitätsaschluss signalisiert dem Arbeitgeber dann, dass der Bewerber gut genug war, die 4+ Jahre an der Universität zu überstehen, er also über genügend Intelligenz (und Fleiss) verfügt, um einen Abschluss zu verdienen.

Bloomberg Autor Noah Smith schreibt das folgende zum Unterschied zwischen dem Signalisieren und dem Kommunizieren:

"Beim Singalmodell von Spence geht es darum, dass man sich selbst beweist, indem man etwas schweres macht - etwa so schweres, dass jemand, der das Zeugs nicht dazu hat, es nicht einmal versuchen würde."

Mit anderen Worten, Kommunikation ist nicht Signalisieren. Eine angehobene Augenbraue, ein abschätziges Hüsteln, ein ironischer Kommentar - all das sind Träger emotionaler Inhalte, als auch von Information. Aber es sind keine Signale.

Ein Signal ist zwar eine Art der Kommunikation, aber die Kosten müssen sehr viel höher sein, um überzeugend zu wirken. Ein Signal kann Informationen über eine Absicht beinhalten, über die Stärke des Interesses, der Bereitschaft ins Risiko zu gehen und noch einiges mehr.

Ein Signal hat oftmals die Absicht, unterschiedlichen Adressaten unterschiedliche Dinge mitzuteilen.

Um das Signalisieren zu verstehen, muss man sich den Unterschied zwischen Gewalt und Macht klar machen.

Edward Luttwak beschrieb diesen Unterschied in seinem Buch "Die prinzipielle Strategie des Römischen Reiches":
Gewalt ist ein mechanischer Input (eine Ausgabe), die sich nicht skalieren lässt: Es braucht eine Menge Personal, Mittel und Finanzen, um andere dazu zu zwingen, sich imperialen Edikten zu unterwerfen.

Macht dagegen ist die Summe aller Potenziale des Reiches: Es sind die Produktionskapazitäten, die Ressourcen, das Humans- und Sozialkapital - alles. Macht beeinflusst andere ohne direkte Konfrontation. Das erlaubt es dem Reich, seinen Einfluss auszubauen, ohne die enormen Kosten der Gewalt aufbringen zu müssen.

Luttwak erklärt, dass sich die Macht aus der Positionierung der militärischen Werte gibt, mit denen politische Ziele verfolgt werden. Das bedeutet, dass diese militärischen Werte überall im Reich so positioniert sein müssen, dass sie eine glaubwürdige Drohung darstellen, allerings werden Kontrolle und Einfluss mehr über das Signal der Bereitschaft und der Fähigkeit zur Gewalt ausgeübt, und weniger über das tatsächlich Anwenden der Gewalt (was überdies ausgesprochen kostspielig ist, da es vorkommen kann, dass es schlecht ausgeht).

Die Präsentation der Macht und die Bereitschaft zur Gewaltanwendung sind demnach die eigentlich wichtigen Aspekte hinsichtlich des politischen Einflusses. Blickt man durch diese Linse darauf, dann ergibt sich ein deutlich anderes Bild des Tomahawk Angriffs auf Syrien.

Hier etwas Kontext für dieses Signalisieren durch die USA, Russland und China. Die USA geben im Jahr ungefähr 700 Millarden Dollar für ihr Militär aus und weitere 100 Milliarden für die Geheimdienste und sonstige verteidigungsrelevante Bereiche. Insgesamt also an die 800 Milliarden Dollar.

Das sind 15% aller Gesamtausgaben des Bundes und etwas mehr als 3% des amerikanischen BIP. Historisch betrachtet ist das nicht viel. Mit anderen Worten, die USA schöpfen nicht allzu viel des vorhandenen Potenzials für das Militär aus.

Jede Großmacht richtet seine Signale sowohl an ein internationales Publikum, als auch an ein heimisches. Signalisieren ist weniger Poker, sondern eher 3D Schach, wobei die drei Bretter permanent bespielt werden: Satellitenstaaten und Verbündete; mögliche Gegner und das heimische Publikum.

Sowohl China, Russland als auch die USA signalisieren mit jeder einzelnen ihrer Massnahmen an alle drei Adressaten.

Wir müssen daher vorsichtig sein, ein Signal nicht falsch zu interpretieren, wenn es vor allem für das heimische Publikum gedacht ist und mehr als nur symbolischer Natur ist. Alle Analysten, die diesen Angriff auf den syrischen Luftwaffenstützpunkt als "Beweis" dafür sehen, dass der Sumpf Trump trocken gelegt hat, oder dass die USA beabsichtigen, sich stärker in Syrien zu engagieren beachten nur eines der Spielbretter - oder sie missverstehen das Spiel komplett und werden von der PR Show vorgeführt.

Ein erfolgreiches Symbol wirkt auf einer Vielzahl von Ebenen und hebelt die Wirkung einer Aktion zu niedrigen Kosten. Keine Grossmacht kann es sich nicht leisten, einfach nur mit Brachialgewalt ihren Einfluss zu sichern. Signale richten sich an eine Vielzahl an Adressaten und versuchen in ihrer Choreografie das Drama auf einer Ebene bei einem Publikum zu minimieren, die das Signal missverstehen könnten.

Insgesamt deutet das ganze Drama mit dem Angriff in Syrien darauf hin, dass die US Neocons verarscht wurden. Für meinen Geschmack war da einfach zu wenig Druck dahinter. Das aber wäre ein Thema für einen anderen Aufsatz.






Im Original: The Media's Missing the Point: Syria, Empire and the Power of Signaling

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