Sonntag, 23. Oktober 2016

Die Türkei verweigert Jesiden den offiziellen Asylstatus und damit jegliche Hilfe

Jesiden in der Flüchtlingsholzklasse

Von Robert Jones für www.PJMedia.com, 21. Oktober 2016

Jesiden, die 2014 vor dem Einmarsch des Islamischen Staates in den Irak in die Türkei flohen haben Probleme damit, ihre Grundbedürfnisse wie die medizinische Versorgung zu decken, weil ihnen in der Türkei kein legaler Aufenthaltsstatus gegeben wird. In einem Bericht des türkischen Forschungszentrums für Asyl und Migration (IGAM) heisst es:


"Im August 2014 kamen etwa 30.000 Jesiden aus der Sindschargegend im Nordirak in die Türkei, als es Angriffe durch den IS gab."

Allerdings wurden sie nicht als "Flüchtlinge", "Gäste" oder "Personen, die vorübergehend Schutz geniessen" anerkannt - und das selbst nach zwei Jahren Aufenthalt in der Türkei.

Jesiden werden wichtige Gesundheitsdienste verweigert, etwa die Behandlung von Krebs, Herz-Kreislauf Krankheiten, Diabetes und Asthma.

Feleknas Uca, ein jesidischer Abgeordneter der kurdischen Volkspartei HDP hielt im August zusammen mit Vertretern der Ärztekammer von Diyarbakir, der Gesundheitsgewerkschaft und pro-kurdischen Parteien der Region eine Pressekonferenz ab. Uca sagte dabei:

Am 3. August 2014 hat der IS im Sindschar an den Jesiden einen Genozid durchgeführt. Nach dem Massaker haben sich tausende Jesiden in den Lagern von Diyarbakir, Urfa, Sirnak, Siirt, Mardin und Batman niedergelassen, die von der Demokratischen Regionalpartei DBP geleitet werden. Seit dieser Zeit sind die Jesiden enormen Problemen ausgesetzt - vor allem im gesundheitlichen Bereich.

Insbesondere waren jesidische Frauen traumatisiert. Sie leiden an Angst, Unsicherheit, Hass, Ärger und haben Schlafprobleme.

Und viele von ihnen haben chronische und lebensbedrohende Krankheiten. Bei einigen besteht die Gefahr, dass sie ihr Augenlicht verlieren und warten auf eine Behandlung in den Krankenhäusern.

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Wir haben die Probleme der Jesiden viele Male im Parlament angesprochen und Regierungsvertretern Vorlagen präsentiert, bislang aber wurde keine Lösung erarbeitet.

Im Unterschied zu Jesiden aber haben syrische Asylbewerber in der Türkei Zugang zu den Gesundheitsdiensten:

Die Regierung plant sogar, syrischen Asylbewerbern die türkische Staatsbürgerschaft zu verleihen. Präsident Erdogan gab dies im Juli bekannt. Aber nicht einmal die Gesundheitsprobleme der Jesiden sind gelöst. Daher fragen wir die Regierung: Worin liegt der Unterschied zwischen syrischen und jesidischen Asylbewerbern?

Da jesidischen Asylbewerbern jeglicher offizieller Status verweigert wird hängen sie von Individualhilfe ab, die von Hilfsorganisationen und anderen wohltätigen Betreibern kommt. Wenn Jesdien in den Lagern krank werden, dann verschen Freiwilligenärzte und die Organisation Ärzte Weltweit (DWW) zu helfen.

Der Generalsekretär der Ärztekammer von Diyarbakir Dr. Mehmet Serif Demir teilte VOA mit, dass die Freiwilligenätzte versuchen, den Jesiden zu helfen. Aber ohne Regierungsunterstützung ist es unmöglich, ihnen eine adäquate medizinische Behandlungen zukommen zu lassen.

Unsere Bemühungen ermöglichen nur eine grundlegende Gesundheitsversorgen in den von den Gemeinden betriebenen Lagern für Jesiden. Wenn diese allerdings eine Operation oder eine andere technische Massnahme brauchen, dann müssen sie in die Krankenhäuser gebracht werden und diese Operationen sind oftmals sehr teuer.

Bislang konnte jesidischen Patienten nur mit Hilfe philantropischer Einzelpersonen und Organisationen eine solche medizinische Behandlung gegeben werden.

Der im Irak ansässige Forscher Muhip Ege Caglidil sagte:

Viele Jesiden sind noch immer zu verängstigt, um in den Sindschar zurückzugehen, da sie denken, die Araber rund um die Region könnten Mitglieder des Islamischen Staates sein. Als der IS in den Sindschar einmarschierte wurden die seit Ewigkeiten dort lebenden Jesiden von ihren arabischen Nachbarn angegriffen. Die Jesiden waren seitdem nicht in der Lage über dieses tiefgehende Trauma hinwegzukommen.

Allerdings ignoriert die Türkei weiterhin das Leiden der Jesiden. Und auch die UN hilft ihnen nicht allzu sehr. Metin Corabatir, der ehemalige Sprecher des Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR) in der Türkei sagte:

Die Jesiden beshweren sich über die UN. Sie sagen, deren Behörden besuchen weder ihre Lager, noch kümmerten sie sich um sie, und würden auch nicht ihre Asylanträge für Europa prozessieren.

Die Jesiden in der Türkei sind extrem arm, müssen aber viel Geld ausgeben, damit sie beim UNHCR um Asyl beantragen können. Allerdings hat die UN viele der Anträge nicht einmal registriert. Andere Antragssteller haben als frühestes Befragungsdatum für den Asylstatus das Jahr 2023 erhalten.

Viele Jesiden wollen weder in der Türkei bleiben, noch in den Irak zurückkehren. Sie sagen, dass sie im Irak sogar von ihren muslimischen Nachbarn angegriffen wurden, als der IS in ihre Ortschaften einrückte.

Sie fühlen sich auch in der türkischen Öffentlichkeit nicht sicher, in einem Land, das über eine "sekuläre" Verfassung verfügt und EU Beitrittskandidat ist. Corabatir sagte:
Wenn sie in die großen Städte in der Türkei reisen müssen, dann versuchen sie ihren Glauben so gut zu verstecken wie es geht.


Im Original: Turkey Won't Give Official Status to Yazidi Asylum Seekers